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Berliner Leerstandsdiskussion: Wie viele Wohnungen stehen tatsächlich leer?

Wie viele Wohnungen stehen in Friedrichshain-Kreuzberg tatsächlich leer? Das ist die Frage, die sowohl den Bezirk als auch den Senat zurzeit beschäftigt. Während der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in den Zeitungen damit zitiert wird, dass im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg etwa 10.000 Wohnungen leerstünden, kontert Bezirksbürgermeister Klaus Schulz, diese Zahl sei nicht realistisch.

Unsicherheit herrscht vor allem in der Frage, nach welchen Kriterien und Verfahren belastbare Zahlen gewonnen werden können. In Berlin erfolgt die Erfassung des Wohnungsleerstands über Stromzähler. Sprich: wo ein halbes Jahr lang kein Strom verbraucht wird, wird Leerstand unterstellt. Doch bedeutet ein Nullverbrauch oder ein Fast-Nullverbrauch automatisch Leerstand? Möglicherweise ist die Wohnung nur zeitweise belegt, etwa durch die Nutzung als Ferienwohnung und der Energieverbrauch ist entsprechend gering. Gleichzeitig stellen wir als Immobilienagentur fest, dass die steigenden Preise bei Berlin-Immobilien zu einer abwartenden Haltung bei den Eigentümern führt. Es wird auf eine Wertsteigerung oder auf eine generelle Erhöhung der Mieten gesetzt; Verkauf oder Vermietung werden ausgesetzt. Diese Gründe wären rein marktwirtschaftlich und sind verständlich. In anderen Großstädten ist diese Situation bestens bekannt, in Berlin hingegen war das Thema Immobilien lange Jahre eher ein Randthema. Nun ist die Nervosität mit dem Anziehen des Wohnungsmarktes gestiegen. Hinzu kommt, dass in Berlin in diesem Jahr die Wahlen zum Abgeordnetenhaus anstehen. Dies führt fast zwangsläufig dazu, dass dieses Thema auch an parteipolitischer Relevanz gewinnt.
Verständlich ist jedoch auch die Besorgnis, so z.B. des Mietervereins, dass stark steigende Mieten die Gentrifizierung in den beliebten Bezirken vorantreibt. Der Ruf nach Regulierung wird laut, z.B. durch ein Verbot der Zweckentfremdung. Eine Umnutzung zur Ferienwohnung sollte dadurch erschwert, spekulativer Leerstand verhindert und Modernisierungen abgeblockt werden. Jedoch stellt diese Art von Regulierung einen schwer wiegenden Eingriff in die Freiheiten der Eigentümer dar. Die Frage danach, wie weit der Staat sich in privatwirtschaftliche Belange einmischen darf, liegt in der anderen Seite der Waage und wiegt schwer.
Dass mittelfristig mehr Wohnungen in Berlin gebaut werden müssen scheint eine Tatsache zu sein. So gewinnt das Thema Leerstand eine zusätzliche Komponente. Städtebauliche Konzepte rücken in der Vordergrund und nachhaltige, bürgernahe und sozial verträgliche Strategien müssen her. Aktuelles Beispiel: das Nutzungskonzept für den ehemaligen Flughafen Tempelhof. So nett die Nutzung als Parklandschaft auch sein mag, das Areal mit ca. 386 ha – so die Meinung vieler Berlin – gibt mehr her als Schlittschuhlaufen im Winter oder Drachensteigen und Grillen im Sommer. Die Entwicklung und Realisierung zukünftiger Nutzungen für das Gelände ist daher eines der wichtigsten Verfahren der Berliner Stadtentwicklung seit der Wiedervereinigung.

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